Der Erste Weltkrieg und die Inflation

Mit Bedacht und Vorsicht war die erste Satzung des Vereins verfasst worden, um zunächst zu vermeiden, für größere Schäden sofort aufkommen zu müssen. Unter § 3 heißt es: “Der Verein nimmt nur diejenigen beweglichen und unbeweglichen Sachen in Versicherung, welche in den Kreisen Warendorf und Wiedenbrück außerhalb der geschlossenen Ortschaften liegen.“ Beim Verfassen dieses Satzes hatten die Gründer vermutlich noch den großen Brand vom 16. September 1884 in Erinnerung. Ein großes Feuer hatte damals binnen kürzester Zeit neun Häuser am Harsewinkeler Kirchplatz vernichtet.

In den ersten fünf Jahren wurden nur geringe Brandschäden registriert, sodass ein kleines Finanzpolster angesammelt werden konnte. Der erste Schaden, der vom Verein mit dem Betrag von 50 RM zu begleichen war, war „ein vom Blitz erschlagenes Schwein“, wie es im ersten Geschäftsbericht heißt. Die Versicherungssumme betrug im ersten Geschäftsjahr 1.303.934 RM, während sich die Beitragszahlungen zu dem noch geringen Betrag von 2.589,82 RM summierten. Erst 1913 musste der erste größere Brandschaden beglichen werden; das Vereinskapital war bis dahin schon soweit angewachsen, dass man in diesem Jahr trotzdem noch mit einem Gewinn von 2.221,02 RM abschließen konnte.

Trotz Zeichnung einer hohen Reichsanleihe überstand die noch junge Feuerversicherung die Jahre des Ersten Weltkrieges. Einen finanziellen Tiefschlag erlitt sie allerdings durch die Inflationswirren des Jahres 1923, in der die Mark bis auf ein Billionstel entwertet war. Ein Jahr später musste der Verein, da die Kasse durch die Entwertung leergefegt war, finanziell neu anfangen. Der Vorstand beschloss, einen höheren Jahresbeitrag als gewöhnlich, nämlich nun 80% des vollen Jahresbeitrages, zu erheben.  Da sich in diesem Jahr zu allem Unglück auch noch die Brandschäden häuften, sahen sich die Vorstandsmitglieder gezwungen, in einer Umlage noch einmal 50% des Jahresbeitrages nach zu heben; so hatten die Mitglieder in diesem Jahr 130% zu zahlen. Dies war jedoch eine einmalige “Zwangs-„ Maßnahme, denn weder vorher noch nachher war derartiges Vorgehen nötig geworden. In der damaligen Situation war das für die Mitglieder eine harte Erschwernis, aber die meisten blieben trotz einiger Austritte ihrer Versicherung treu.

An dieser Stelle muss allerdings bedacht werden, dass die Harsewinkeler Versicherung noch keiner Rückversicherung angeschlossen war. Die Aufsichtsbehörde hatte dies noch nicht zur Auflage gemacht. Außerdem  war man damals gar nicht erst auf den Gedanken gekommen, mehrere Genossenschaftsverbände noch einmal genossenschaftlich zusammen zu schließen, da man der Überzeugung gewesen war, ein abgesicherter Reservefonds würde den extremen Anforderungen schon genügen.

Durch die Betroffenheit in der Inflationszeit wurde auch in den anderen Versicherungsvereinen überlegt, wie man solchen Krisensituationen künftig besser entgegnen könnte. Die Harsewinkeler Feuerversicherung beteiligte sich bei einer in dieser Zeit abgeschlossenen Mitversicherung für Überschäden, die von allen Münsterländer Vereinen sowie dem Isselhorster und dem Reckenberger Versicherungsverein getragen wurde. Das bedeutete, dass bei einer Schadenanhäufung, die den 80%igen Jahresbeitrag eines Vereins überstieg, diese Rückversicherung den einzelnen Verein finanziell unterstützte.