Die Währungsreform und Wirtschaftswunderzeit

In der Folgezeit, von 1945 bis 1948 gab es geschäftlich kaum Schwierigkeiten, denn größere Schäden wurden nicht registriert und Geld, mit dem man ohnehin nichts kaufen konnte, war mehr als genug im Umlauf. Erst mit der Währungsreform vom Juni 1948 erhielt das Geld wieder Wert und damit Kaufkraft. Die umlaufende Geldmasse wurde erheblich dezimiert. Das neue Geld, die “Deutsche Mark“, ersetzte nun die Reichsmark, die Rentenmark und die alliierte Militärmark, die ab dem 21. Juni 1948 für ungültig erklärt wurde.

Für die Geschäftsführung des Harsewinkeler Feuerversicherungsvereins war das “Reichsmarks-Umstellungsgesetz“ vom 17. Juni 1948 entscheidend. Das Altgeld wurde im Verhältnis 10:1 eingetauscht. Die Hälfte des Neugeldes kam auf ein sogenanntes Freikonto, die andere Hälfte auf ein Festkonto. Nach dem Festkontengesetz vom 7. Oktober 1948 wurde der Betrag auf dem Festkonto zunächst blockiert, von dem dann nochmals per Gesetz 70% gestrichen wurde. Die Bank- und Sparguthaben wurden im Endeffekt also nicht im Verhältnis von 10:1, sondern nur im Verhältnis 10:0,65 auf die neue Währung umgestellt. Wer 100 Reichsmark auf einem Konto hatte, erhielt dafür nur noch ganze 6,50 DM, und nicht, wie allgemein vermutet wird, zehn DM. Nach dieser Umstellung auf die neue Währung verliefen die Geschäfte des Vereins normal, denn wie schon des Öfteren in der Geschichte des Harsewinkeler Vereins gab es zunächst wieder keine größeren Schäden, die ihn in eine bedrohliche Situation hätten führen können.

Drei Jahre nach der Währungsreform trat der Zusammenschluss der Münsterländer Vereine a.G. dem OIdenburger Verband der Versicherungsvereine bei, in dem sich nun 48 Vereine zu einer Interessengemeinschaft zusammenschlossen. Unter der Führung des Direktors Heinrich Hilge von der Nadorster Feuerversicherung in Oldenburg wurde eine Arbeitsgemeinschaft Rückversicherung für Überschäden gebildet. Sie schloss sich über die Assekuranz Bruno Mohr in Hamburg der Münchener Rückversicherung an. Die als Versicherungsunternehmen seit 1873 besteht. Das bedeutet für alle Mitglieder des Harsewinkeler Vereins, dass ihr Versicherungsschutz voll gewährleistet ist, ohne das eine Nachhebung, wie sie nur 1924 erfolgen musste, nötig wird. Wirtschaftsprüfer Dr. Wolfgang Heubaum hielt 1979 zu diesem Rückversicherungsverhältnis fest:

„Bei voller Auslastung dieses Rückversicherungsschutzes müssten die Bruttoschäden eines Jahres einen Betrag von rd. 23,7 Mio. DM erreichen. (…) Eine Wahrscheinlichkeit für Schadenfälle dieser Größenordnung besteht nicht.“

Bei der Gebäudeversicherung wird seit dem 1. Januar 1953 die gleitende Neuwertversicherung zugrunde gelegt. Der Wert der versicherten Wohn-, Geschäfts- und landwirtschaftlichen Gebäude wird, um ihn an die ständigen Kostenänderungen im Bauwesen anzugleichen, auf einen gemeinsamen Nenner gebracht, nämlich auf die Versicherungssumme des Jahres 1914. Sind die effektiven Neubaukosten eines Jahres bekannt, kann durch Umrechnung dieser “Versicherungssumme 1914“ ein Index errechnet werden. Das Jahr 1914 wird zugrunde gelegt, weil es das letzte Jahr konstanter Baukosten beschreibt.

Die Indexzahl des betreffenden Jahres ist vom Statistischen Bundesamt errechnet. Die festgestellte Versicherungssumme 1914 gilt nicht nur als Maßstab, an dem der jährliche Versicherungsbeitrag bemessen wird; sie bestimmt auch, ob zum Beispiel im Falle eines Totalschadens mit der Entschädigung ein Haus in gleicher Größe und Ausstattung wieder aufgebaut werden kann.

Das bislang größte Schadensjahr für den Verein war 1958, in dem drei große Bauernhöfe den Flammen zum Opfer fielen. Nun kam der Vertrag mit der Rückversicherung zur Geltung, denn sie sprang für den übermäßig hohen Schaden in die Bresche. Der Vereinsvorstand brauchte noch nicht einmal den Reservefonds, der für den Notfall angelegt wurde, anzuzapfen.